Das kalte Herz

 

Kälte. Stille. Das Wissen um die Konsequenzen aus dieser Energiequelle. Tschernobyl vor Augen, Fukushima im Hinterkopf.

 

Kälte. Stille.

 

Das Kernkraftwerk Lubmin in der Nähe des Seebades Lubmin bei Greifswald wurde 1974 erstmals in Betrieb genommen. Geplant waren acht Reaktorblöcke. Vier waren in Betrieb, Nr. 5 befand sich im Probelauf, Nr. 6 war fertig gestellt, als 1990 die Reaktorblöcke aufgrund gravierender Sicherheitsbedenken zunächst stillgelegt wurden. Danach entschloss sich die DDR zur Abschaltung, da die Blöcke aufgrund nicht zu vertretender Kosten im Zuge der Wiedervereinigung nicht auf das genehmigungsfähige Niveau der Bundesrepublik Deutschland gebracht werden konnten.  Seit 1995 wird das Kraftwerk zurückgebaut.

 

Block 6 wurde zwar fertig gestellt, aber nicht mehr mit Brennelementen beladen. Eine gefahrlose Besichtigung dieses Reaktorblockes ist somit möglich. Ich habe das Kraftwerk zwei Mal besucht. Ein Mal im Rahmen einer Besucherführung, ein zweites Mal hatte ich das Kraftwerk für ein paar Stunden zum Fotografieren für mich allein, nur in Begleitung eines Wachmannes, der mir für meinen eigenen Schutz zur Seite gestellt wurde. Hierbei hatte ich Gelegenheit, in der Enge des Reaktorraumes das Herzstück kennenzulernen.

 

Bei mehreren, bis zu 2 Meter dicken Betonwänden kam die Außenwelt nicht herein. Währenddessen draußen der Sommer mit 26 Grad und Vogelgezwitscher zum Entspannen einlud, verbrachte ich die Zeit im Reaktorblock bei einer Temperatur von 15 Grad und in absoluter Stille.